Die Online-Schülerzeitung der IGS Aurich-West


Montag, 9. Juni 2008

Diesen Monat hat die Schüler - Onlinezeitung der IGS Aurich-West einen besonderen Leckerbissen für seine LeserInnen: Eine Serie mit Ausschnitten eines Interviews mit Schulleiter Thorsten Quest. Das von Hendrik Bock und Steffen Haake geführte Interview wird nun Häppchenweise jede Woche veröffentlicht.

Viel Spaß beim Lesen!

Im Gespräch mit Schulleiter Thorsten Quest - Teil 2


Zu einem ganz anderem Thema: Wieso wurden auf dem Schulgelände Videokameras installiert?

Wir haben in den vergangenen Jahren immer wieder feststellen müssen, dass vor allen Dingen am Wochenende, aber auch unter der Woche, z.B. nachts, in die Schule eingebrochen wurde oder auf dem Schulgelände Verwüstungen vorgenommen wurden. Da ist das Problem, dass unser Schulgelände ja sehr offen ist. Wir haben kein abgeschlossenes Schulgelände, sondern hier kann sich im Grunde genommen jede/r mehr oder weniger unbeobachtet aufhalten. Dazu kommt, dass die Flachdächer offensichtlich Jugendliche, vor allen Dingen Jungs dazu einladen, da drauf zu steigen. Da ist es sehr häufig passiert, dass Lichtkuppeln eingetreten wurden. Der Höhepunkt war eigentlich im letzten Jahr die Verwüstung der Toiletten im Gebäude Eins. Das war wirklich ziemlich übel. Da hatten wir grade im Sommer für über 10.000 Euro renovieren lassen und dann haben da riesige Reparaturen stattfinden müssen. Die Spiegel wurden abgerissen, beschmiert usw. Und da hat der Landkreis Aurich, also der Schulträger, gesagt: Bevor wir hier jedes Jahr so viel Geld in die Renovierung und Wiederherstellung von kaputten Einrichtungsgegenständen stecken, installieren wir jetzt diese Kameras, die in erster Linie allerdings einen abschreckenden Charakter haben sollen. Alleine die Tatsache, dass es diese Kameras gibt, soll, so hoffen wir jedenfalls, die jungen Leute davon abhalten, zu randalieren oder zu verwüsten. Es ist allerdings leider nur von einem recht begrenzten Erfolg. Der Landkreis hat die Geräte also als Schulträger installiert, weil es ja letztendlich immer er ist, der bezahlen muss. Momentan haben wir das allerdings so geregelt, dass die Kameras nur laufen, wenn hier kein Schulbetrieb ist. D.h., dass nachmittags oder abends, wenn die Reinigungskräfte Feierabend machen .- das ist entweder um 18.00 Uhr oder um 17.00 Uhr - die Anlage aktiviert wird und morgens um 7.00 Uhr schaltet sich die ganze Anlage dann auch wieder aus. So dass es wirklich gezielt darum geht, hier des Nachts und am Wochenende für Ordnung zu sorgen und ggf. auch jemanden ermitteln zu können. Das können wir dann ausdehnen, wenn wir Ferien haben.

In der Mensa hat sich das Essen unserer Meinung nach in der letzten Zeit stark verbessert. Trotzdem scheinen immer weniger SchülerInnen das Mensa-Angebot zu nutzen. Wie erklären Sie sich das?

Nun, ganz so ist es ja nicht: Es stimmt nicht, dass es immer weniger werden. Die Zahlen sind heruntergegangen, als wir auf das neue Bestellsystem und den neuen Anbieter umgestellt haben. Das war am Anfang auch mit Schwierigkeiten verbunden. Der erste Anbieter, den wir da hatten, hat keine gute Qualität geliefert und dann auch aufgegeben. Somit haben wir dann den Anbieter gewechselt. Seitdem sind die Zahlen einigermaßen stabil. Es ist aber so, dass sie nicht zufrieden stellend sind. Das muss man leider schon so sagen. Die Kleinen nehmen das Mensa-Angebot immer noch ganz gut an, die FünftklässlerInnen gehen gemeinsam mit ihren LehrerInnen essen, die Sechst- und SiebtklässlerInnen gehen auch noch in relativ großer Zahl. Aber je älter die SchülerInnen werden, desto weniger wird die Mensa besucht. Das mag unterschiedliche Gründe haben. Das kann daran liegen, dass gesagt wird, die Essensqualität sei nicht in Ordnung, das glaube ich allerdings weniger, es kann daran liegen, dass es auch einfach nicht „cool“ ist, in der Mensa zu essen, es kann aber auch daran liegen, dass Jugendliche einfach kein ganzes Menü haben wollen, mit Vorspeise, Hauptgericht und Nachspeise. Daher muss man darüber nachdenken, ob nicht auch noch ergänzend eine Art „Snack“-Angebot vorgehalten wird. Also eine Art „Komponentenessen“. Hier könnte man z.B. sagen, dass man an einem Tag nur einen Salat oder ein Baguette essen möchte, oder was man eben noch in Schnellimbissbuden vor dem „E-Center“ bekommen kann. Wir verhandeln im Moment mit der Catering-Firma, ob die auch so was machen kann. Hauptgrund ist aber, so glaube ich, dass wir einfach keine Kultur des Schulessens in Deutschland haben. Das gilt nicht nur für unsere Schule sondern insgesamt für alle Schulen. Ich war vor kurzem erst in Osnabrück und habe dort mit dem Menschen gesprochen, der im Kultusministerium zuständig ist für Ganztagsschulen. Die haben das für das ganze Land erhoben und festgestellt, dass die Essensbeteiligung in Ganztagsschulen nur bei 14% liegt. D.h., dass bei einer Schule mit 700 Leuten nur vielleicht 100 Leute essen. Das ist natürlich relativ wenig. Und da liegen wir schon deutlich drüber. So richtig etabliert ist es hier aber noch nicht. Wir geben so 500 Essen am Dienstag / Donnerstag aus. Wir erfassen so die Hälfte der Schüler der Sekundarstufe 1.

Uns fällt es auch immer wieder auf, dass wirklich viele SchülerInnen aus unserer Klasse mittags nicht essen. Am Nachmittag können sich diese SchülerInnen dann natürlich nicht richtig konzentrieren und stören.

Das kommt dann natürlich noch dazu und das ist auch so widersprüchlich: Das Essensangebot ist eigentlich da, trotzdem wird es nicht wahrgenommen. Außerdem haben wir eine Umfrage gemacht, mit der wir festgestellt haben, dass ganz viele SchülerInnen ohne Frühstück in die Schule kommen und dass ganz viele auch gar nichts an Essen mitbringen oder eben nur Süßigkeiten dabei haben. Das sieht man ja, wenn man mal mit offenen Augen durch die Schule geht und leere Chipstüten oder Bonbontüten überall herumfliegen sieht. Da ist es auch schwer, etwas dagegen zu machen.

Was halten Sie persönlich davon, Noten schon ab der Klasse 8 einzuführen?

Also ich sage, dass ich eigentlich sehr froh bin, dass wir diese Lernentwicklungsberichte haben, weil ich der Meinung bin, dass die Lernentwicklungsberichte sehr viel mehr aussagen können als eine einzelne Note. Deswegen würde ich auch in jedem Fall diese Lernentwicklungsberichte beibehalten wollen. Dies nur vom Grundsatz her. Und ich höre es auch immer wieder von Eltern, dass sie es besonders schätzen, dass Aussagen zu dem Lernverhalten und der Lernentwicklung der Schüler gemacht werden. Das bedeutet allerdings auch, dass man sich die Mühe macht, diesen Lernentwicklungsbericht zu lesen. Und ich bin der festen Überzeugung, diejenigen, und vielleicht könnt ihr euch da auch noch erinnern, als ihr im achten Schuljahr wart, diejenigen, die sich die Mühe machen, die Lernentwicklungsberichte zu lesen, die sind eigentlich auch nicht erstaunt, wenn in der neunten Klasse dann Noten gegeben werden. Aber ganz viele - und das ist jetzt etwas gewagt - vielleicht auch eher die SchülerInnen mit etwas schwächeren Leistungen lesen nicht genau. Die gucken sich dann nur die Kreuze an und sehen „erreicht, erreicht, erreicht“ und dann ist ja alles in Ordnung. Dass diese Kreuze aber gar nicht aussagen, ob man gut ist oder ob man die Ziele nur knapp erreicht hat, also quasi auf einer „vier“ steht, das wird dann einfach nicht zur Kenntnis genommen. Und wenn man die Bemerkungen zur Lernentwicklung mal durchlesen würde, könnte man schon erkennen, dass da noch große Probleme sind. Das heißt, dass im Grunde mehr dieses richtige Lesen der Lernentwicklungsberichte verinnerlicht werden muss. Man muss sich wirklich die Mühe machen und nicht nur schnell darüber hinweg lesen. Das abstruse Beispiel hierfür ist, dass mal ein Schüler aus meiner eigenen Klasse seinerzeit die „Erreicht“ durchgezählt hat und entsprechend für das jeweilige „e“ sein Zeugnisgeld kassiert hat. Das reicht natürlich nicht aus. Ich könnte mich allerdings auch anfreunden mit einer Idee, die auch schon von der Schülervertretung geäußert wurde, die besagt, dass man so eine Art „Mischform“ einführt: man bleibt bei dem Lernentwicklungsbericht und unten drunter steht z.B.: die Leistungen entsprechen einer „drei“. Dabei gibt es allerdings ein rechtliches Problem. Und da kommen wir so schnell nicht aus der „Zwickmühle“ heraus. Insofern wäre mein Plädoyer bei den Lernentwicklungsberichten zu bleiben, weil wir uns wirklich etwas vertun würden und unnötig etwas aufgeben würden. Es kommt natürlich hinzu, dass gerade diejenigen SchülerInnen, die etwas leistungsschwächer sind, die Schule meist schon nach dem neunten Jahrgang verlassen. Und dann im Grunde nach dem ersten Halbjahr im Jahrgang neun erst „richtig sehen“, was Sache ist und dann kaum noch eine Möglichkeit haben, das zu verändern.

1 Kommentar:

Harm Ukena hat gesagt…

Gutes Interview, aber sehr lang! Es ist sehr schön zu lesen! Aber irgendwie finde ich den ersten Teil jetzt nicht!
Insgesammt aber super!