Die Online-Schülerzeitung der IGS Aurich-West


Sonntag, 24. Mai 2009

John Iwan Demjanjuk der Handlanger der Nazimörder


Gegen 19.15 Uhr landet am 12 Mai 2009 ein zweistrahliger Gulfstream- Jet aus Cleveland USA auf dem Flughafen München. Im Jet befindet sich der NS Verbrecher John Demanjuk. Der Abschiebung durch die US Behörden ist ein lanwieriges juristisches Tauziehen vorausgegangen, in wieweit der gesundheitliche Zustand eine Auslieferung zuläßt. Für die US Regierung ist die Auslieferung ein „ historischer Moment in den Bemühungen der Regierung Nazi- Kriegsverbrecher vor Gericht zu bringen“. Nach der Landung wird Demjanjuk mit einem Rot- Kreuz Wagen und hoher medialer Präsenz in die Münchner Justizvollzugsanstalt Stadelheim verbracht. –
Die Staatsanwaltschaft wirft in ihrer Anklage Demjanjuk Beihilfe zum Mord in mindestens 29 000 Fällen vor. Doch bevor ein Prozeß beginnen kann, erfolgt zunächst eine Reihe von medizinischen Untersuchungen um die Prozessfähigkeit des Angeklagten festzustellen. Demjanjuk verweist selber auf seine schlechten Gesundheitzustand, wonach er an einer Knochenmarkserkrankung, Nierenversagen und rheumatischen Beschwerden leiden soll. Demjanjuk bezeichent sich laut seiner Anwälte für unschuldig und zudem nicht in der Lage einen Prozess durchzustehen. – In dem anvisierten Prozess steht mit Demjanjuk der erste „Hilfswillige“ des Naziregimes vor Gericht. In dem Polinischen Vernichtungslager Sobibor soll er als ausländischer Helfer ab 1942- die sogenannten Trawniki – als Handlanger der Massenmörder für die massenhafte Tötung von zumeist Juden mitverantwortlich sein. Dabei steht der gebürtige Ukrainer (geb. am 03.04.1920)wegen dieser Greultaten nicht zum ersten Mal vor Gericht. Zwar ging er völlig unbehelligt 1952 in die USA und erwarb dort auch die amerikanische Staatsbürgerschaft, wurde aber dann 1986 an Israel wegen angeblicher Beteiligung am Holocaust im Vernichtungslager Trebelinka als Aufseher „Iwan der Schreckliche“ ausgeliefert. 1988 wurde er dort zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde allerdings durch den Obersten Gerichtshof aufgehoben, weil begründete Zweifel an seiner Schuld vorlagen. Danach kehrt er in die USA zurück. Im Jahre 2001 wurde in den USA ein neues Verfahren aufgenommen und ihm die Staatsbürgerschaft entzogen. Aufgrund der gesammelten Beweislast war dann in 2009 die Staatsanwaltschaft München in der Lage einen Haftbefehl gegen Demjanjuk zu erlassen. Um sich die Schwere der Anklage zu vergegenwärtigen, ist es wichtig mehr über das Vernichtungslager Sobibor und die systematische Judenvernichtung zu erfahren. –
Das Vernichtungslager Sobibor lag im südöstlichen Polen in der Nähe der Stadt Wlodawa. Der Komandant des Lagers war Franz Stangle dem 30 SS Männer unterstellt wurden. Als Wach- und Sicherheitspersonal setzten die SS Ukrainer und Volksdeutsche ein. Das Lager war 600 x 400 Meter groß und lag an der Bahnlinie Chelm- Wlodawa. Aufgeteilt war das Lager in drei Bereiche, die jeweils mit Zäunen voneinander getrennt waren. Die erste Zone bestand aus einem Vorlager mit Eisenbahnrampe und Unterkunftsbaraken für das deutsche- und ukrainische Personal- sowie das Lager 1 mit Unterkünften für die jüdischen Häflinge und Werkstätten. In der zweiten Zone befand sich der Aufnahmebereich für die eintreffenden Juden (hier mußten sie ihre Habe und Kleider abgeben). In der dritten Zone dann befanden sich die Unterkünfte für die dort arbeitenden jüdischen Häftling, sowie die Gaskammern und Massengräber. Die ersten Transporte in das Vernichtungslager erfogten ab Mai 1942. Zumeist waren es polnische, österreichische und tschechische Juden aus den Ghettos des Distrikts Lublin. Der Ablauf des Massenmordes war akribisch und menschenverachtend durchorganisiert. Bei ihrer Ankunft mußten die Juden ihr Gepäck an der Eisenbahnrampe abgeben und dann zur Entkleidungsbarake gehen. Die SS Männer teilten ihnen mit, dass sie nach dem Duschen in ein Arbeitslager überstellt würden. Zuvor mußten sie alle Geld- und Wertsachen abgeben. Nun folgten sie dem Weg in das ausgewiesene „Bad“, was in Wirklichkeit die Gaskammern waren. Mit Dieselmotoren wurde dort Kohlenmonoxid eingeleitet und die Menschen erstickten grausam. Anschließend mußte ein Arbeitskomando jüdischer Häflinge die Leichen nach Wertsachen untersuchen, Goldzähne herausbrechen, Haare abschneiden und die Leichen in Massengräber werfen. Diese Mitwisser wurden regelmäßig von der SS getötet und durch neue Häflinge ersetzt. Ende Juli 1942 waren bereits 77000 Juden in den Gaskammern getötet worden. Im Oktober 1942 wurden sechs neue Gaskammern in Betrieb genommen, in denen nun 1300 Menschen gleichzeitig umgebracht werden konnten. Insgesamt wurden im Vernichtungslager Sobibor in der Zeit von 1939 bis 1945 250 000 Menschen ermordet.
An diesem grauenhaften und bestialischen Morden, am Holocaust, war Demjanjuk als Handlanger der SS (sogenannte Trawniki) aktiv beteiligt. Diese Handlanger haben für die SS die Schmutzarbeit verrichtet, oftmals mit unbarmherziger Grausamkeit und Sadismus. Die Anklage wird versuchen im Rahmen eines rechtstaatlichen Verfahrens Demjanjuk seine Schuld nachzuweisen. Doch kein Gerichtverfahren kann den Holocaust sühnen. Bei dem anstehenden Verfahren geht es auch primär eher darum, dass die Greultaten dokumentiert werden, im Sinne von Gerechtigkeit. Demjanjuk ist alles andere als ein alter Mann der vor Gericht geschliffen wird, sondern er ist wahrscheinlich einer der letzten Schlächter des Nazi Regimes, der vor Gericht gestellt wird. Richtig bitter kann es jedoch dann werden, wenn Denjanjuk Haft- und Verhandlungsunfähigkeit bescheinigt werden würde, oder ihm gar ein Freispruch gegeben werden müßte (Zeitzeugen gibt es ja kaum noch). Als Staatenloser gibt es kein Land was ihn aufnehmen würde und dann verbleibt er als Pflegefall in einem Münchner Altenheim und genießt seinen Lebensabend mit Hilfe deutscher Steuergelder. Die Unerträglichkeit eines solchen Prozedere ließe sich kaum noch überbieten und für die Opfer wäre es der blanke Hohn.

Quellen: Wikipedia, TAZ, Spiegel,Stern
Eike Asche

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