Die Online-Schülerzeitung der IGS Aurich-West


Montag, 19. Januar 2009

SFE Berlin. Die zweite Chance fürs Abitur.

Die SFE Berlin ist eine Schule für Erwachsenenbildung.
Hier haben Erwachsene die Chance ihr Abitur oder ihren Mittleren Schulabschluss nachzuholen.

Die Schule entstand im Jahre 1973, auf Grund eines Schulstreiks, ein Jahr früher, gegen Überfüllung in den Klassen, Schuldirektoren als Autoritätsperson und anderen politischen Gründen.

Heute gibt es auf der SFE Berlin ca. 320 Schüler in 12 Klassen und 14 Lehrkräfte.
Die Schulkosten bewegen sich zwischen 135 und 148 Euro.


Das Besondere an dieser Schule ist, dass die „Schüler“ viele Freiheiten haben, aber trotzdem lernen.Allerdings ohne Noten.
Auch ist das „zur Schule kommen“ keine Pflicht. Und auch zuspät kommen wird nicht bestraft.
„Marius und Mirko kommen zu spät, setzen sich hinten an die Wand, die Füße auf den nächstbesten Stuhl. Niemand sagt etwas.“
Außerdem ist die SFE eine sehr politische Schule.
Auf der Website wird sie mit diesen Worten angepriesen:
"Du kannst oder willst nicht mehr auf eine staatliche Schule?
Du möchtest den Mittleren Schulabschluss oder Abitur?
Du möchtest das Abitur nachholen?

Du möchtest bei der Schulgestaltung mitbestimmen?
Du brauchst ein „flexibles Zeitmanagement“?

Du möchtest eine Schule ohne Zensurendruck?
Du willst ohne Konkurrenzdruck lernen?

Du möchtest auf eine Schule, wo Sexismus, Rassismus, Antisemitismus und Homophobie auf Widerstand treffen?

Dann passt vielleicht die SFE zu dir!!"

Ein Lehrer äußert sich wie folgt:
"Unsere Klasse ist sehr politisch“, erklärt Marius. „Wenn dann in der Richtung was los ist, sind fast alle fort.“

Für Schüler, die sich zum Ziel gesetzt haben, ihren Abschluss nachzumachen und sich dafür einsetzten, auch wenn sie für eine normale Schule schon zu alt sind,oder auf eine Schule gehen wollen, die politisch orientiert ist, ist dies sicher eine gelungene Methode.
Eine Schülerin, die selbst auf so eine Art Schule ging, schrieb im Forum der Internetseite "neon.de" unter einem Bericht über die SFE :
"Solche Schulsysteme funktionieren wunderbar! Und solche Schulen sind nicht weniger stressig und undizipliniert schon gar nicht.Ich war auf einer solchen Schule (Grund- und Mittelstufe).Wir hatten unseren "Offenen Beginn" "Klassenrat" und unsere Klasse haben wir auch selber geputzt. Nix von wegen Verwahrlosung. Wir Kinder konnten schon in der 5. Klasse alleine kochen, Schreibmaschine schreiben, den Computer bedienen und vor allem selbstständig Referate halten. Ich habe mein Abi dann an einer "normalen" Frontalschule gemacht und habe mich immer über die Unselbstständigkeit der Leute gewundert. Ich habe das beste Abitur des Jahrgangs gemacht und meine alte Schule hat bei der unsinnigen Pisa-Studie den besten Platz belegt, sogar noch vor Dänemark.
ein Leitsatz den bei uns die Kinder zu den Lehrern gesagt haben: Hilf mir, es selbst zu tun!"



Von Mareke und Tomke

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Leider fallen dort ganze Abiturjahrgänge durch, und die Schule ist extrem dogmatisch in Ihren Ansischten und abgekapselt -was zu einer "wir hier drinnen" "die (kapitalistischen) Feinde dort draussen" Sichtweise führt-es ist dort sehr homogen -alles was anders ist wird bekämpft,alle müssen mit-ansonsten sind sie ebenfals "feindlich"und quasi draußen (haben nichts zu sagen und werden nicht gehört).Es gibt eine sehr hierarchische Ordnung unter den Lehrern ,die sich mit der Zeit gebildet hat-einige haben viel Macht und viele Stunden (vor allem Männer der 68er Generation) andere haben nichts zu sagen.Leider gab es in meiner Schulzeit dort zudem einen unvergeßlich schrecklichen Vorfall -eine wunderbare Lehrerin mit jüdischenm Hintergrund wurde antisimithischen Parolen von Kollegen rausgemobbt(aus Neidgründen).Sie war am Ende seelisch sehr angeschlagen und die Schule weigerte sich einen Berater von außen reinzulassen.Sie ist "freiwillig" gegangen.Ich fand das unvorstellbar und hätte niemals gedacht ,dass so etwas passieren kann ,an einer Schule in Deutschland heute.Schon gar nicht an einer, die damit wirbt einen Raum zu bieten ,der frei von solchen Dingen ist.Für mich u.a. ein Grund dort zu gehen.Und andere zu warnen.

Franzi hat gesagt…

Hallo alle zusammen,

also ich kann das negative Image nicht nachvollziehen. Ich war selber auf der SFE und habe dort mein Abitur 2014 nachgeholt. Meine Erfahrungen waren super gut, aber natürlich ist keine Schule optimal für alle Schüler. So sollten meiner Meinung nach alle Interessierten an die Schulwahl heran gehen: Passt die Schule zu mir? Sagt mir das Profil zu?
Mir hat es sehr gut gefallen, weil ich mich auf das konzentrieren konnte, was mir wichtig war. Ich konnte auch mal nicht hingehen und zuhause lernen. Mir tat die fehlende Anwesenheitspflicht und ein Lernen ohne Noten sehr gut. Ich habe mich 2 Jahre auf den Stoff der Abiprüfung vorbereitet, ohne mich durch ständige Tests verrückt zu machen. Ich war damals schon etwas älter (Mitte 20, 1 Kind) und in meinen Alltag hätte kein zusätzlicher Mega-Stress gepasst. Letztlich war ich bei den Prüfungen auch nervös, habe sie aber gemeistert, weil meine Mitschüler und vor allem die Lehrer mir intensiv das Gefühl vermittelt haben, dass ich gut vorbereitet bin. Das war dann auch so und ich kann sagen: Das war eine super Zeit und am Ende auch erfolgreich. Die Lehrer haben sich nach der Schule auch mal mit mir getroffen, haben immer ein offenes Ohr für Vorschläge gehabt.
Richtig ist aber auch, dass die SFE ohne Eigeninitiative nicht funktioniert. Die Schüler können hier mitbestimmen über die Themen, anhand derer der Stoff vermittelt wird (z.B. in Englisch). Kommt nichts von den Schülern, sind die Lehrer auch weniger motiviert. Ähnlich verhält es sich mit der Anwesenheitspflicht. Wer ohne seine Mutti oder eine strenge Frau Lehrerin nicht aus dem Bett kommt und den ganzen Tag zockt, der schafft an der Schule das Abi sicherlich nicht. Nicht aus dem Bett kommen ist auch ok oder sich von den Annehmlichkeiten des Lebens zu sehr ablenken lassen ist auch ok, aber dann schlagt bitte nicht auf die SFE ein. Die Leute geben sich Mühe und hauen sich rein. Ich hatte auch öfter mal Kritik, die dann aber immer angenommen wurde und auch im Unterricht was verändert hat.
Und ja, diese Schule ist aus einer linken pädagogischen und stadtpolitischen Bewegung hervorgegangen. Dies überträgt sich natürlich auf das Selbstverständnis, mit dem man in den groben Eckpunkten übereinstimmen sollte, sonst ist das unangenehm für alle. Die Ironie der Geschichte ist, dass eben jenes pädagogisches (nicht politisches) Ideal jetzt an jeder zweiten Luxusprivatschule übernommen wird, nur durch das viel höhere Schulgeld wesentlich besser ausgestattet. Wenn ihr es also richtig anstellt, könnt ihr 2 super Jahre und am Ende das Abi haben. Was wollt ihr mehr?

Beste Grüße
Franzi